die woche der neuerscheinungen - teil 3

09 Juli 2017

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Wir haben die Verlagsprogramme durchforstet und dabei einige Lieblinge entdeckt, die wir euch gerne diese Woche vorstellen! 


PIPER 1.9.2017
DIE FASSADENDIEBE,  JOHN FREEMAN GILL

Auch weil um ihn herum alles zu bröckeln beginn, seine Familie, genau wie seine Stadt, hilft der dreizehnjährige Griffin seinem Vater bei dessen Mission. Der schmale, wendige Junge bekommt die Aufgabe, steinerne Art-Deco-Skulpturen und Wasserspeier zu stehlen, ganz gleich ob von der Fassade eines unbekannten Mietshauses oder eines berühmten Wolkenkratzers. Denn, so der Vater, diese Zeugen Manhattans sind im Zeichen der Kahlschlagsanierung der Siebzigerjahre vom Aussterben bedroht. Dass sein Dad ihn dabei gelegentlich in Lebensgefahr bringt, verdrängt Griffin. So kann er mithelfen, das Geld für die überfälligen Hypothekenraten für ihr Zuhause zu verdienen. Vor allem aber kann er auf diesen Touren seinem Vater nah sein. Doch was als Spleen begann, wird zur Obsession; Griffins Freundschaften, seine erste Liebe leiden unter der kompromisslosen Sucht seines Vaters, immer neue Bestandteile des alten New York zu »bewahren«. Nachdem einer ihrer Raubzüge spektakulär schiefgeht, verschwindet sein Vater von der Bildfläche. Und Griffin beginnt zu verstehen, dass man nicht alles im Leben bewahren kann. ...»Erweckt das New York der Seventies zum Leben ... Ein hochoriginelles, wunderbar geschriebenes, ebenso ambitioniertes wie elegisches Buch.« The Village Voice

New York ist eine Stadt, die uns beide sehr fasziniert - ebenso wie die Tatsache, dass der Fokus in diesem Roman auf der Architektur liegt. Wir hoffen, eine einfühlsame Vater-Sohn-Geschichte vorgelegt zu bekommen.


NAUTILUS - Anfang September 
DIE BITCH-DOKTRIN, LAURIE PENNY 

Klug und provokant, witzig und kompromisslos sind Laurie Pennys herausragende Essays, die sie zu Recht zu einer der wichtigsten und faszinierenden Stimmen des zeitgenössischen Feminismus machen. Vom Schock der Trump-Wahl und den Siegen der extremen Rechten bis zu Cybersexismus und Hate Speech – Penny wirft einen scharfen Blick auf die brennenden Themen unserer Zeit.
Denn gerade jetzt, in Zeiten sich häufender Krisen in Europa und Amerika, ist es Verpflichtung, geschlossen hinter der Gleichstellung von Frauen, People of Colour und LGBT zu stehen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist kein Nebenschauplatz, sondern Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft.
Weit davon entfernt, einen Kampf gegen »die Männer« zu führen, greift Penny den Status quo gezielt an: Es geht ihr um Fairness, Umverteilung von Vermögen, Macht und Einfluss – weitreichende Forderungen, die sie nicht abmildert, indem sie eine rosa Schleife darum bindet. Penny ruft dazu auf, sich nicht von jenen beeindrucken zu lassen, die uns den Mund verbieten und uns zu angepasster Liebenswürdigkeit zwingen wollen – sondern eine Bitch zu sein und die Stimme zu erheben.

Von Laurie Penny lesen wir immer wieder gerne, sie hat uns schon so viele neue Perspektiven eröffnet und ihre Bücher sind jedes Mal wieder etwas ganz besonderes. Wir sind schon sehr darauf gespannt, noch müssen wir uns aber etwas gedulden.


NAUTILUS - bereits erschienen als Solidaritätsausgänge 
TAKSIM IST ÜBERALL, DENIZ YÜCEL 

Solidaritätsausgabe für Deniz Yücel, seit Februar 2017 in Untersuchungshaft in der Türkei, mit einem aktuellen Vorwort von Doris Akrap (taz), Daniel-Dylan Böhmer (DIE WELT) und Özlem Topçu (DIE ZEIT).
»›Taksim ist überall‹ ist ein Buch über Gezi im Geiste Gezis, engagiert, humorvoll und romantisch. Yücel verliert aber nie die Distanz, er ergänzt seine geografischen durch historische Ausflüge, ordnet ein, setzt Gezi in Beziehung zu den Protesten vergangener Jahre – und holt die Bewegung gerade dadurch auch vom Sockel. Gezi wird die türkische Gesellschaft wach halten.« Iris Alanyali, DIE WELT, 2014
Ein Solidaritätseuro pro verkauftem Exemplar geht, zusätzlich zum regulären Honorar, an den Autor. Die Edition Nautilus dankt der Druckerei BELTZ Bad Langensalza sowie der Tageszeitung DIE WELTfür die finanzielle Unterstützung, die diese Neuauflage erst ermöglicht hat.

Wie ihr in unserer neuen Rubrik im Monatsrückblick - 'Politisches Engagement' - lesen konntet, engagieren wir uns für die Türkei und die schrecklichen Vorkommnisse. Unabhängige und kritische Stimmen werden eingedämmt, aber genau die sind so wichtig und zu unterstützen - wie mit dieser Solidaritätsausgabe mit Deniz Yücel.


AUFBAU - 18.8.17
KUKOLKA, LANA LUX

Ukraine, 90er Jahre. Große Party der Freiheit. Manche tanzen und fressen oben auf dem Trümmerhaufen der Sowjetunion, andere versuchen noch, ihn zu erklimmen. Auch Samira. Mit sieben Jahren macht sie sich auf die Suche nach Freiheit und Wohlstand. Während teure Autos die Straßen schmücken, lebt Samira mit ein paar anderen Kids in einem Haus, wo es keinen Strom, kein warmes Wasser und kein Klo gibt. Aber es geht ihr bestens. Sie hat ein eigenes Sofa zum Schlafen und eine fast erwachsene Freundin, die ihr alles beibringt. Außerdem hat sie einen Job, und den macht sie gut: betteln. Niemand kann diesem schönen Kind widerstehen, auch Rocky nicht. Er nennt sie Kukolka, Püppchen. Wenn Kukolka ihn lange genug massiert, gibt er ihr sogar Schokolade. Alles scheint perfekt zu sein. Doch Samira hält an ihrem Traum von Deutschland fest. Und ihr Traum wird in Erfüllung gehen, komme, was wolle. 
Lana Lux hat einen gnadenlos realistischen Roman über Ausbeutung, Gewalt und Schikane geschrieben, über ein Leben am Rande der Gesellschaft, geführt von einer Heldin, die trotz allem schillernder nicht sein könnte.

Samira hört sich nach einer starken Protagonistin in einer von Misere geprägten Umfeld an, der wir sehr gerne durch ihre Abenteuer folgen würden. Von Lana Lux haben wir beide noch nie etwas gelesen geschweige denn gehört, aber das steigert unsere Spannung nur noch.


AUFBAU - 18.8.17
NIEMAND VERSCHWINDET EINFACH SO, KATHERINE LACEY

International gefeiert als eines der eindrücklichsten Debüts der letzten Jahre: Niemand verschwindet einfach so beschreibt den gewagten Versuch einer Frau, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen. Elyria begibt sich in die Ferne, nur um festzustellen, dass man vor sich selbst niemals flüchten kann. Ein intimes Abenteuer – und die Geschichte einer Selbstfindung. »Als wir an jenem Abend nach Hause gingen, beide nach dem Bourbon riechend, der uns auf die Knie getröpfelt war, wusste ich, dass mein Mann ein Song war, dessen Text ich vergessen hatte, und ich ein verwackeltes Foto von jemandem, den er mal geliebt hatte.« Elyria löst ein One-Way-Ticket nach Neuseeland und verlässt ihren Mann, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. In Neuseeland angekommen, setzt sie sich immer riskanteren und surrealer werdenden Begegnungen mit den Einwohnern und der Tierwelt aus. Doch ihre eigentliche Reise ist die Reise in ihr eigenes Herz der Finsternis. Verfolgt vom Tod der Schwester, ausgestoßen von der Mutter, zermürbt von der Eintönigkeit ihrer Ehe, droht Elyria an ihren eigenen Gedanken verlorenzugehen. Auf fast hypnotische Weise beschreibt Catherine Lacey eine Frau, die verrückt wird, allein durch sich selbst. Doch niemand verschwindet einfach so, egal wie sehr er es versucht.

Ein sehr krasses Thema, das immer wieder berührt und schockiert wird hier von Katherine Lacey angesprochen. Wieso wollen sich Menschen ihr Leben nehmen? Trotz dem schweren Inhalt scheint uns die Geschichte wahnsinnig spannend und verspricht sehr viel.


ULLSTEIN FÜNF - 13.10.17
SCHLICK, ADA DORIAN

»Vater, Mutter, Kind: Ich sehe das als ein großes Thema unserer Generation. Vielleicht sogar als das größte persönliche Thema unserer Zeit, weil alle Varianten von Familie erlaubt sind und jeder selbst wählen muss.« Ada Dorian
Ein Toter und zwei Lebende auf einem Bild. Vater, Mutter, Kind. Dieses Foto hätte es so gar nicht geben dürfen – und doch hing es wie selbstverständlich jahrzehntelang in dem Haus, in das Svea mit ihrem Neugeborenen einzieht. Während sie mit ihrem eigenen Leben hadert, ist Svea fasziniert von Helene, der Frau auf dem Bild.
Ein poetischer Roman über zwei Frauen, die sich verblüffend ähnlich sind, obwohl sie hundert Jahre trennen, über die Konstruktion von Erinnerungen und darüber, wie viel Ungesagtes eine Familie verträgt.

Familienromane sind immer wieder sehr speziell und bringen einen eigenen Zauber mit sich. Diese Geschichte hört sich nach einer wunderbaren, harmlosen und doch sehr spannenden Lektüre an. Die hätten wir gerne in die Sommerferien mitgenommen, aber vielleicht schafft sie es dann mit in die Herbstferien!
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