8 Jugendbücher, die uns geprägt haben

12 Juli 2017

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In diesem Post wollen wir euch gerne acht Bücher vorstellen, die alle dem Jugendbuch Genre zugeordnet werden und die uns besonders geprägt und gefallen haben. Sie alle sind von politischem Belang, und deswegen wollen wir sie euch ans Herz legen. Andererseits werden wir auch immer älter und rücken deswegen vermehrt in die Erwachsenenbelletristik, was unseren Lesegeschmack angeht. Da unser Blog aber immer noch Jugendbücher vorstellt, dachten wir, es wäre Zeit, dass wir euch (abwechslungsweise) acht ganz besondere Jugendbücher vorstellen...

DAS FIEBER von Makiia Lucier

'Das Fieber' ist ein Buch, welches uns beide irgendwie ein bisschen verbindet. Beide lesen wir eigentlich nicht allzu gerne historische Bücher, 'Das Fieber' hingegen hat uns mitgerissen und umgehauen, in genau dieser Reihenfolge.
Wir begleiten ein junges Mädchen namens Cleo in Amerika, schreiben das Jahr 1918, die spanische Grippe ist ausgebrochen. Sie steht ein wenig am Scheidepunkt ihres Lebens, aber die Krise zwingt sie, schnell zu handeln. Sie steigt als freiwillige Helferin beim Roten Kreuz ein, wird dafür von ihrer Familie brutal verurteilt, lernt aber unterschiedlichste Menschen kennen - allen voran sich selbst.
Diese Vorstellung, sich für eine Art Leben entscheiden zu müssen, haben viele in ihren Jugendjahren - meistens kommt dann jedoch eine bisher völlig ungeachtete Möglichkeit in die Quere und verändert unser Leben. Wenn auch die Realität oft nicht ganz so welt- und lebensverändernd ist, ist dies doch eine Situation, die wir kennen. Politisches und soziales Engagement ist in solchen Moment enorm wichtig, denn wir leben nicht allein auf der Erde. All diese Konsequenzen lernt Cleo auf eindrückliche Weise kennen, und somit ist das Buch einzigartig, vor allem aber auch unglaublich fesselnd! Schon vor einer längeren Weile habe ich das Buch hier rezensiert.

WUNDER von Raquel J. Palacio

Wunder ist eines der vielen Bücher, die mir Mara vor etwa zwei Jahre ans Herz gelegt hat und das ich mit viel Liebe und grosser Bewunderung gelesen habe. Mara hat mich an die Literatur herangeführt und mir geholfen, meinen Lesegeschmack zu finden. Auch dieses Buch hat dazu beigetragen, dass ich heute die bin, die ich bin. Wunder ging um die Welt, ein Spiegel Bestseller Roman, der für so vieles Wichtiges steht und der mir sehr geholfen hat. Noch heute denke ich in gewissen Situationen an dieses Buch zurück und rufe mir in den Kopf, dass die äussere Erscheinung nur einen winzigen Teil  der gesamten Erscheinung ausmacht und dass das keine entscheidende Rolle spielt. Falls ihr die Geschichte nicht kennt; es geht um den zehnjährigen August, er hat Charakterzüge wie jede(r) Andere, aber da ist diese eine Sache. Sein Gesicht ist entstellt und wurde zig Male operiert. Bisher war er noch nie auf einer öffentlichen Schule, aber in dem Jahr, in dem die Geschichte stattfindet ändert sich das und August muss sich einigen Hindernissen stellen. Die Geschichte wird so angenehm leicht erzählt, dass man sie innert kürzester Zeit fertig liest. Der politische Belang, der hier zur Geltung kommt ist die Toleranz und Akzeptanz an Minderheiten, an Behinderten und Kranken. Die Schwierigkeit eine Situation zu überwinden, zum Beispiel es zu vermeiden wo hinzustarren, es dann nicht zu tun, die Situation zu akzeptieren und ihr mit Toleranz zu begegnen. Das lässt sich auf so Vieles anwenden, und besonders im Falle von August wird einem als Leser(in) auch klar, dass die Intoleranz im Grunde genommen Schwachsinn ist. Der Junge kann nichts für sein Aussehen und anstatt ihm das hunderte Male vor die Nase zu reiben, muss man ihm das Leben einfach etwas leichter machen und so viel Unterstützung wie möglich liefern. Ein wahres Wunder, dass es dieses Buch gibt. Eine wunderschöne Geschichte, die einem sehr viel über einem selber beibringt.

DER JUNGE IM GESTREIFTEN PYJAMA von John Boyne

...John Boynes Werk könnte man nahezu als modernen Klassiker sehen. Ich weiss noch, wie mir bereits in meiner frühen Kindheit das Buch zigmal ans Herz gelegt worden ist, als Freunde und Bekannte herausfanden, dass ich gerne las. Trotzdem würde ich das Buch aber auch ein bisschen später lesen - das haben wir getan. Wir haben es beide erst kürzlich gleichzeitig gelesen (und dann darüber berichtet, siehe hier) und geliebt.
Auch hier ist das Schicksal, das erzählt wird, hart - und das ohne Frage. Dabei ist Bruno Deutscher, und noch dazu Sohn eines SS-Offiziers im zweiten Weltkrieg. Allerdings begreift er die Lage natürlich nicht, glaubt voller Unschuld und eigentlich mit natürlichem Menschenverstand nicht daran, dass solche Bosheiten verübt werden. Er freundet sich mit 'dem Jungen im gestreiften Pyjama' an.
Ähnlich wie beim kleinen Prinz kann dieses Buch von allen und von jedem gelesen werden, und was man mitnimmt, ist immer etwas anderes. Das mindert die Bedeutung dieses Wunderwerkes jedoch um kein geringes Bisschen - im Gegenteil.

DIE ATTENTÄTER von Antonia Michaelis

Auch die Attentäter wurden mir von Mara empfohlen. Sie ist ein grosser Fan von Antonia Michaelis Büchern und ist sehr begeistert von ihrem Schreibstil und ihrer Wortwahl, die wirklich einzigartig ist. Ich habe vor ein Paar Jahren den Märchenerzähler gelesen, was mich nicht ganz abholen konnte, weil ich die Geschichte dann am Schluss etwas zu umspannend fand, aber die Attentäter konnten mich diese Jahr voll und ganz überzeugen. In ihrem neusten Roman schreibt Antonia Michaelis über den Terror und die Islamisten. Sie hat nach den Attentaten von Paris begonnen den Roman zu schreiben und noch immer ist er absolut aktuell. Jetzt mehr als immer. Ich bin wahnsinnig begeistert darüber, wie die Autorin diesen Roman verfasst hat. Einerseits über die Fähigkeit, dass sie mehrere Geschichten so ineinander verschachteln kann, dass man folgen kann und dass sie aufgehen. Und andererseits kann mich ihr Schreibstil einfach abholen und ich bewundere sie dafür, dass sie in so einem dicken Buch die Spannung bis zur letzten Seite halten kann. Dieses Buch sollte gerade im Moment eine absolute Pflichtlektüre sein - sie klärt auf der einen Seite über den Islamismus und Terrororganisationen auf und hat auf der anderen Seite auch enorm viel auf der literarischen Seite zu bieten. Ich möchte mich sobald ich meine SuB etwas abgearbeitet habe, unbedingt noch an die anderen Bücher der Autorin machen, sie alle versprechen viel. Auch meinem jüngeren Bruder habe ich die Attentäter ans Herz gelegt und er ist ebenfalls begeistert. Ein Highlight von allen Büchern, die ich bisher in meinem Leben gelesen habe. Durchaus auch Belletristik und nicht nur in der Kategorie Jugendbuch. Kürzlich darüber berichtet haben wir hier.

SOMMER UNTER SCHWARZEN FLÜGELN von Peer Martin

Ich schrecke hin und wieder vor richtig dicken Büchern zurück - deswegen dauerte es auch eine Weile, bis ich dieses umfangreiche Werk Peer Martins las. Aber nun bin ich umso glücklicher darüber und würde es ohne zu zögern gleich nochmals lesen, würde nicht so viel anderes ungelesenes bei mir rumliegen. Ich habe Anaïs sofort davon erzählt, und auch sie war absolut begeistert.
Die Flüchtlingskrise, vor allem aber auch die jugendliche Sicht darauf, sollte viel mehr Thema sein in der Kultur, besonders, wenn diese dann auch junge Leser_innen anspricht. In dieser eher schmaleren Spalte ist Martins Werk jedoch mit Abstand eines der besten. Er hat die Thematik und die Figuren speziell gewählt, und auch wenn das Setting einige etwas fragwürdig und kitschig befinden, ist die Umsetzung sehr authentisch. Vieles ist schmerzhaft ehrlich dargestellt, und genau eine solche Darstellung ist womöglich nötig, um gewisse Menschen aufzurütteln.
Mit unglaublicher Menschenkenntnis und einem Verständnis für die aktuelle Lage hat der Autor eine exzellente und wichtige Arbeit geleistet! Darüber berichtet haben wir hier.

ES WIRD KEINE HELDEN GEBEN von Anna Seidl

Das war das erste Buch, das ich auf Maras Empfehlung hin gekauft habe. Genau drei Jahre ist das nun her - wie schnell die Zeit vergeht. Damals hat sie nämlich einen Vortrag über dieses Buch gehalten und der hat mich absolut begeistert. Es wird keine Helden geben ist von Anna Seidl geschrieben, sie war damals erst sechzehn Jahre alt. So alt wie wir heute. In diesem Buch wird von einem Amoklauf an einer deutschen Schule berichtet, Miriam verliert dabei ihren Freund Toby und andere Klassenkameraden und Kameradinnen. Horrorszenarien, schreckliche Momente und Vorstellungen werden schonungslos aufgeschrieben und ins Detail beschreiben. Den Umgang mit Trauer und den Folgen dieses schreckliche Erlebnissen werden thematisiert und das Versuchen wieder in einen Alltag zu gelangen. Auch Anna Seidls Wortwahl ist unglaublich, sie konnte mich damals sehr berühren. Und auch das Thema, das selber nicht direkt politisch ist, ist von politischer Bedeutung. Amoklauf gehört in die Kategorie Terror. Das Buch ist nicht besonders dick, aber das braucht es auch nicht. Die Aussage ist tief berührend; Es wird keine Helden geben. In einer solchen Ausnahmesituation gibt es nur Verlierer, weshalb soll man dann sonst überall der Beste sein wollen? Wenn es darauf ankommt, dann sind wir alle hilf- und wehrlos und können nichts mehr tun. Ein mitreissendes und aufwühlendes Buch.

SALZ FÜR DIE SEE von Ruta Sepetys

Auch Ruta Sepetys Bücher haben ein historisches Setting und fallen dadurch eher nicht so in unser Beuteschema. Allerdings muss ich anmerken, nachdem ich alle ihre drei bisher erschienen Bücher gelesen habe, dass ich alles (wirklich alles!) dieser brillianten Autorin lesen würde.
Hier begleiten wir eine ungleiche Gruppe auf ihrer Flucht im zweiten Weltkrieg - diese Reise und dieser Zusammenhalt wird von ihr mit so detaillierten und liebevollen Worten ausgeschmückt, dass ihr grossartiger Schreibstil fast über die Brutalität des Settings scheint. Gleichzeitig aber fühle ich nur selten so stark mit Protagonist_innen mit, wie bei Büchern Sepetys.
Mehr zum Buch haben wir euch vor nicht allzulanger Zeit hier berichtet!

28 TAGE LANG von David Safier

Wie kann es anders sein - auch dieses Buch wurde mir von Mara empfohlen. Sie stellte es mir als eines der wenigen historischen Bücher, die sie gerne gelesen hat, vor. Und Gott sei Dank hat sie das. 28 Tage lang ist sowohl ein Jugend- als auch ein Erwachsenenbuch. Wir haben es schon in unterschiedlichsten Regalen gefunden, was uns sehr verwirrt hat, aber durchaus verständlich ist. Es ist für alle: alt und jung. Es spielt im zweiten Weltkrieg in einem Warschauer Ghetto. Unsere Protagonistin heisst Mila und muss für ihre Mutter und ihre Schwester ums Überleben kämpfen. Nach und nach werden nämlich mehr Juden aus dem Ghetto gebracht und nach Auschwitz geführt. Aber es gibt Hoffnung: Eine Gruppe von jungen Leuten hält Widerstand. Nämlich genau 28 Tage lang. Der Kampf gegen die SS und gegen die Deutschen konnte als einziges in diesem Ghetto so lange aufrecht erhalten bleiben. Ein wahnsinniges Buch, das einem die Zerstörung einer Stadt und eines Menschen beschreibt und einem in eine Zeit entführt, in der komplett andere Bedingungen herrschten. Der Schreibstil ist absolut mitreissend, man kann das Buch einmal in der Hand, nicht mehr weglegen und möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Drastisch, wild und sehr schwer - auf jeden Fall. Aufwühlend, traurig und voller Hoffnung. Ich habe das Buch mindestens zehn Leuten weiterempfohlen und alle, die es gelesen haben, haben mir eine durchaus positive Rückmeldung gegeben. Es ist einfach noch einmal ein Stuck anders, als all diese 'klassischen' Bücher über den Holocaust. Und ja, ob man es glaubt  oder nicht, auch aus dem Warschauer Ghetto beruhen alle Fakten auf wahren Begebenheiten, was das Buch noch einmal viel intensiver macht.

Was sind Jugendbücher, die euch geprägt haben? Habt ihr unsere schon gekannt, oder habt ihr Ergänzungen? 
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